07.01.2026
Frost, Baustopp, Kostenexplosion – was Bauunternehmen bei Minusgraden wirklich tun müssen (und was 2026 entscheidend wird)
Der Winter stellt Bauunternehmen jedes Jahr vor dieselben Fragen – und doch werden sie mit jeder Kälteperiode komplexer. Sinkende Temperaturen, gefrorene Böden und eingeschränkte Arbeitsmöglichkeiten führen nicht nur zu Verzögerungen auf der Baustelle, sondern erhöhen auch den organisatorischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Druck auf Unternehmen.
Gleichzeitig ist klar: Der Winter ist keine Ausnahme mehr, sondern ein fester Bestandteil der Bauplanung. Wer heute erfolgreich bauen will, muss wissen, wann Arbeiten noch zulässig sind, wann ein Baustopp sinnvoll oder sogar notwendig wird und welche finanziellen und organisatorischen Instrumente zur Verfügung stehen, um Risiken abzufedern.
Arbeiten bei Frost – was ist erlaubt und wo liegen die Grenzen?
Eine pauschale Temperaturgrenze, ab der auf Baustellen nicht mehr gearbeitet werden darf, existiert nicht. Entscheidend ist vielmehr die Kombination aus Tätigkeit, Material, Sicherheitslage und den anerkannten Regeln der Technik.
In der Praxis zeigen sich jedoch klare Schwellenwerte, bei denen das Risiko für Mängel oder Unfälle deutlich steigt. Beton- und Mauerarbeiten reagieren besonders sensibel auf niedrige Temperaturen. Sinkt die Temperatur unter etwa +5 °C, können Abbindeprozesse gestört werden, was langfristig zu Festigkeitsverlusten und Schäden führt. Bei Außenputz, Estrich oder Abdichtungsarbeiten steigt das Risiko sogar schon bei leichtem Frost erheblich.
Für Bauunternehmen bedeutet das: Wer trotz ungeeigneter Witterung weiterarbeitet, trägt das volle Mängel- und Haftungsrisiko, auch wenn der Zeitdruck hoch ist oder der Auftraggeber auf Fertigstellung drängt.
Wann ein Baustopp unvermeidbar wird
Ein Baustopp ist keine Schwäche, sondern oft eine unternehmerisch notwendige Entscheidung. Er wird dann erforderlich, wenn die Sicherheit der Beschäftigten nicht mehr gewährleistet werden kann oder wenn mit hoher Wahrscheinlichkeit Schäden an Bauwerk oder Material entstehen.
Insbesondere bei anhaltenden Minusgraden, Glätte oder starkem Schneefall müssen Arbeitgeber prüfen, ob die Arbeiten noch verantwortbar sind. Die Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung liegt klar beim Unternehmen. Ein „Weiterarbeiten auf eigenes Risiko“ kann im Zweifel zu erheblichen Folgekosten führen – etwa durch Nachbesserungen, Vertragsstrafen oder Auseinandersetzungen mit Versicherungen.
Die wirtschaftliche Dimension des Winters
Neben den offensichtlichen Verzögerungen entstehen im Winter zahlreiche versteckte Kosten. Verlängerte Bauzeiten binden Personal, Maschinen und Kapital. Gleichzeitig steigen krankheitsbedingte Ausfälle, während die Motivation der Mitarbeitenden unter schwierigen Bedingungen leidet.
Viele dieser Kosten lassen sich jedoch zumindest teilweise abfedern, wenn vorhandene Unterstützungsinstrumente konsequent genutzt werden. Gerade in der Schlechtwetterzeit bietet der Gesetzgeber gezielte Leistungen an, um Beschäftigung zu sichern und Unternehmen finanziell zu entlasten.
Staatliche Leistungen gezielt nutzen
In der Winterzeit stehen Bauunternehmen mehrere Förderinstrumente zur Verfügung, die häufig nicht vollständig ausgeschöpft werden. Dazu zählen unter anderem das Mehraufwands-Wintergeld für gewerbliche Arbeitnehmer, das Zuschuss-Wintergeld bei unvermeidbarem Arbeitsausfall sowie die Erstattung von Sozialversicherungsbeiträgen.
Die Beantragung erfolgt über die Bundesagentur für Arbeit. Unternehmen, die diese Leistungen systematisch einplanen und korrekt abrechnen, sichern nicht nur ihre Liquidität, sondern stärken auch die Bindung ihrer Fachkräfte in einer ohnehin angespannten Arbeitsmarktsituation. Mehr dazu in unserem Blogbeitrag: https://c2c-erp.de/blog/post/mehraufwands-wintergeld-im-baugewerbe-anspruch-hohe-antrag-einfach-erklart
Der Blick nach vorn: Winterbaustellen werden komplexer
Ein Blick in die kommenden Jahre zeigt deutlich, dass sich die Anforderungen weiter verschärfen werden. Auftraggeber, Versicherungen und öffentliche Stellen verlangen zunehmend eine lückenlose Dokumentation von Wetterbedingungen, Arbeitsunterbrechungen und Bauabläufen. Gleichzeitig steigt der Druck, Bauzeiten auch im Winter möglichst einzuhalten.
Ohne digitale Unterstützung wird es immer schwieriger, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Manuelle Bautagebücher, Excel-Listen oder papierbasierte Stundenzettel stoßen spätestens im Winter an ihre Grenzen. Zukünftig wird es entscheidend sein, Arbeitszeiten, Ausfallgründe und witterungsbedingte Unterbrechungen sauber, nachvollziehbar und revisionssicher zu dokumentieren.
Erfolgsfaktor Winter: Vorbereitung statt Improvisation
Erfolgreiche Bauunternehmen betrachten den Winter längst nicht mehr als Störfaktor, sondern als festen Bestandteil ihrer Jahresplanung. Sie definieren klare Regeln für winterbedingte Baustopps, planen alternative Tätigkeiten für ihre Teams und nutzen staatliche Unterstützungen konsequent.
Der entscheidende Unterschied liegt dabei nicht im Wetter selbst, sondern im Grad der Vorbereitung. Wer Prozesse, Zuständigkeiten und Dokumentation im Griff hat, kommt stabil durch die kalte Jahreszeit – wirtschaftlich wie organisatorisch.
Fazit
Der Winter stellt Bauunternehmen vor reale Herausforderungen, bietet aber auch die Chance, Professionalität und Weitsicht zu zeigen. Mit klaren Entscheidungen, rechtssicherem Handeln und einer vorausschauenden Planung lassen sich Risiken minimieren und Kosten kontrollieren.
Nicht der Frost entscheidet über den Erfolg eines Bauprojekts – sondern der Umgang mit ihm.